ÜBER MICH

Stell Dir vor, Du bist sechs Jahre alt und Deine größte Leidenschaft ist das Sammeln von Micky-Maus-Heften. Jeden Sonntag freust Du Dich darauf, mit Deinen Eltern auf den Flohmarkt zu gehen, und hoffst, dort ein tolles Heft zu entdecken. Doch dann passiert es plötzlich – inmitten der vielen Flohmarktbesucher verspürst Du den unkontrollierbaren Drang zu hüpfen und mit den Beinen auszuschlagen! Immer und immer wieder. Die Getretenen sind genervt und schimpfen. Auch Deine Eltern ärgern sich über Dein Verhalten, das Du Dir selbst nicht erklären kannst. So geht es fortan Sonntag um Sonntag, bis Du schließlich diese Flohmarktbesuche regelrecht fürchtest…

Heute, fast 40 Jahre später, weiß ich längst, dass ich das Tourette-Syndrom habe und kann den Menschen, denen ich begegne, mein Verhalten erklären.
Zum Glück muss ich nicht mehr hüpfen und mit den Beinen ausschlagen – die Tics haben sich im Lauf der Jahre verändert. Aber die Krankheit stellt mich immer wieder vor Herausforderungen im alltäglichen Leben.

Schon als Kind wollte ich manchmal nur weg. Weg von der unerträglichen Situation angestarrt zu werden. Zuhause war ich froh, dem Zucken freien Lauf lassen zu können, ohne mich beobachtet zu fühlen. Und so geht es mir noch heute oft.


Ein weiterer Tic
meiner Kindheit war das Aufstampfen mit dem Fuß. Meine Oma wohnte im vierten Stock und unter ihr eine alte Dame. Sie hatte einen großen Kronleuchter im Wohnzimmer. Durch mein Aufstampfen vibrierte die Decke und Glühbirnen gingen zu Bruch. Mein Vater entschuldigte sich stets für mich bei der Dame. Ab und zu brachte er ihr neue Glühbirnen oder half, abgefallene Glaszapfen wieder in den Kronleuchter zu hängen. Zu Anfang war mir das peinlich. Ich schämte mich. Mit der Zeit aber merkte ich, dass die alte Dame gar nicht wütend war. Ich glaube sogar, sie freute sich, dass sie dadurch immer mal Besuch von meinem Vater bekam.

Meine Eltern entschuldigten sich oft für mich. Für mein merkwürdiges Verhalten, das auch die Ärzte uns nicht erklären konnten.

Kinderfoto von Cris Burkhardt

21 Jahre lang wusste ich nicht, woran ich leide. Es wurden zahlreiche Experimente an und mit mir durchgeführt – von Klinikaufenthalten bis zu Selbstversuchen mit rohen Eiern…Ich habe alles Mögliche getan, um „normal“ zu sein. Heute kann ich meine Krankheit akzeptieren, doch das war ein langer Weg. Von diesem Weg möchte ich auf meiner Webseite erzählen und aufklären.

Wenn immer mehr Menschen wissen, was es mit dieser Krankheit auf sich hat, wie sich Betroffene fühlen – aber auch was Tourette NICHT ist – sind wir einen großen  Schritt weiter.

 

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Illustration Glühbirne mit Hirn
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