DIAGNOSE UND THERAPIE

Therapieansätze sollten neu gedacht werden. Das Tourette-Syndrom gilt als nicht heilbar. Das bedeutet, dass es derzeit keine Therapie gibt, die die Betroffenen von ihren Tics befreit.

Doch muss Therapie immer am Erkrankten ansetzen? Oder vielleicht auch mal am sozialen Umfeld? Sätze wie „reiß Dich mal zusammen“ kennt wohl jede und jeder Tourette-Betroffene. Und sie lösen Unbehagen aus. Wir könnten und sollten unser Umfeld mehr für diese Krankheit sensibilisieren, und das ist vielleicht gar nicht so schwer.

MEINE DIAGNOSE: SCHOCK UND ERLEICHTERUNG
Meine Diagnose erhielt ich mit 27 Jahren. Bis dahin lebte ich bereits 21 Jahre lang mit meinem Zucken. Die Diagnose war Schock und Erleichterung gleichzeitig. Endlich wusste ich, was mit mir los war. Endlich konnte ich mich mit etwas Konkretem auseinanderzusetzen. Auch wenn mir nicht gefiel, was ich hatte – ich hatte eine Erklärung. 

Deshalb halte ich die schnelle und korrekte Diagnosestellung für enorm wichtig. Eine schnelle  Diagnose kann ungemein helfen mit der Krankheit umzugehen. Leider erhalten Betroffene vorerst oft Fehldiagnosen, wie beispielsweise ADHS. Oder sie leiden zusätzlich unter Zwängen oder Depressionen, die zunächst im ärztlichen Fokus stehen.

Außerdem ist das soziale Umfeld extrem wichtig. Das Umfeld über die Krankheit aufzuklären sehe ich ebenfalls als entscheidenden therapeutischen Teil. Freunde, Familie und die Menschen im Schul- oder Arbeitsumfeld wissen oft nicht, wie sie mit den Tics umgehen sollen. Sie reagieren vielleicht mit Unverständnis, Spott oder distanzieren sich aus Angst. Das fördert wiederum die soziale Isolierung der Tourette-Betroffenen. Unverkrampft miteinander umzugehen können wir lernen. Wenn wir unser Wissen über die Krankheit weitergeben, können wir Stigmata abbauen und Leidensdruck lindern!

 

ROHE EIER, APFELESSIG, AKUPUNKTUR
Bevor ich meine Diagnose erhielt, habe ich alles Mögliche ausprobiert. Abgesehen von zahlreichen Arztbesuchen und Therapien, habe ich auch Selbstversuche durchgeführt. Jeder gut gemeinte Ratschlag war mir willkommen. Was hatte ich schon zu verlieren? Eine wochenlange “Diät” mit rohen Wachteleiern und eine Apfelessig-”Kur” gehörten unter anderem dazu. (Mehr dazu im Video oder im Hörbuch) Aber das Lustigste war die Akupunktur. Über mehrere Wochen ließ ich mir von Kopf bis Fuß kleine Nadeln in den Körper stecken. Dabei musste ich natürlich ruhig bleiben. Nicht zucken, nicht rumzappeln, kein Fingerschnipsen, kein Kopfnicken und schon gar kein Grimassenschneiden. Das klappte natürlich nicht, und immer lagen die Nadeln wieder zu schnell auf dem Boden…

Was zur Beruhigung meiner Tics geführt hat: Jin Shin Jyutsu.
Eine gute Freundin ist Jin Shin Jyutsu-Praktikerin und wendet diese alte japanische Methode an. Sie ist ein sehr einfühlsamer Mensch und weiß ihre Hände so einzusetzen, dass sie damit Beschwerden lindern kann. Die Tics gingen damit nicht komplett weg, aber ich merkte, dass nach einigen Sitzungen das Zucken weniger wurde. Ein schöner Erfolg: mein Tourette gesenkt auf ca. 65 %.


Außerdem habe ich für
mich einige Strategien entwickelt, um besser durch den Tag zu kommen:
– Es hilft mir, ein Bonbon zu lutschen, wenn ich mit meinen Grimassen nicht so sehr auffallen möchte.
– Da ich mich in öffentlichen Verkehrsmitteln unwohl fühle, habe ich mir einen Motorroller zugelegt.
   Er ist nicht allzu teuer im Unterhalt und bietet mir Freiheit.
– Ich versuche Stress zu vermeiden.
– Ich versuche mich – phasenweise – glutenfrei zu ernähren.  Das reduziert meine Zuckungen um etwa 20%.

Weiter zum Hörbuch

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